Ratgeber / EUDR

EUDR-Software im Vergleich: Welcher Typ passt zu Ihrer Rolle?

Welche EUDR-Software Sie brauchen, hängt nach aktuellem Stand allein an Ihrer Rolle: Erstinverkehrbringer erstellen eigene Sorgfaltserklärungen (Due Diligence Statements, kurz DDS) und brauchen dafür Geodaten- und Risiko-Suiten wie osapiens, VERSO, Coolset oder lawcode. Nachgelagerte Händler geben keine DDS ab, sie sammeln Referenznummern ein und archivieren sie 5 Jahre, dafür reicht ein schlanker Referenz-Ledger oder bei sehr wenigen Vorgängen sogar Excel. Dieser Vergleich ordnet beide Kategorien ein, nennt ehrliche Preisrahmen und zeigt, wann welches Werkzeug passt.

In 1 Minute wissen, ob Sie betroffen sind: Zum kostenlosen EUDR-Betroffenheits-Check

Vor dem Vergleich: Welche EUDR-Rolle haben Sie?

Die Verordnung (EU) 2023/1115, kurz EUDR, kennt nach der Änderungsverordnung (EU) 2025/2650 zwei Rollen mit sehr unterschiedlichen Pflichten. Erstinverkehrbringer, also Unternehmen, die Kaffee, Holz oder andere relevante Rohstoffe zum ersten Mal auf den EU-Markt bringen, geben nach aktuellem Stand als Einzige eine DDS ab. Nachgelagerte Händler jeder Größe erstellen keine eigene DDS: Sie erheben die Referenznummern dieser DDS, bewahren sie 5 Jahre auf und legen sie Behörden auf Verlangen vor. Auf der ersten Handelsstufe ist das Erheben nach aktuellem Stand Rechtspflicht, weiter unten in der Kette wird es zur Markterwartung, weil Abnehmer die Nummern anfordern. Die Details stehen im Überblick zu den Händlerpflichten.

Der Zeitrahmen: Für mittlere und große Unternehmen gilt der 30.12.2026, für Kleinst- und kleine Unternehmen der 30.06.2027. Wichtige Ausnahme: Für Holz, Papier, Karton und Holzmöbel gilt der 30.12.2026 nach aktuellem Stand für alle Unternehmensgrößen. Das Kommissionspaket vom Mai 2026 hat diese Fristen bestätigt, und der Bußgeldrahmen mit einer Obergrenze von mindestens 4 Prozent des EU-Jahresumsatzes blieb unverändert. Eine Einordnung finden Sie in der Fristenübersicht.

Zwei verschiedene Software-Jobs: DDS erstellen oder Referenznummern verwalten

Fast jeder Vergleich am Markt behandelt nur den ersten Job: Geodaten von Erzeugungsflächen erfassen, Entwaldungsrisiken analysieren, DDS erstellen und über das EU-Informationssystem (TRACES) einreichen. Der zweite Job sieht anders aus: Referenz- und Verifikationsnummern beim Lieferanten einsammeln, der richtigen Lieferung zuordnen, 5 Jahre archivieren und an eigene Kunden weitergeben. Was diese Nummern genau sind, erklärt der Artikel zur DDS-Referenznummer. Wer für den zweiten Job Software für den ersten kauft, bezahlt für Satellitenanalysen, die er nie startet.

Kategorie 1: Geodaten- und Risiko-Suiten für Erstinverkehrbringer

osapiens (HUB for EUDR, mit dem Onboarding-Programm Easy Start für kleinere Unternehmen), VERSO (EUDR-Modul des Supply Chain Hub), Coolset und lawcode sind für Marktteilnehmer gebaut. Sie erfassen Geolokalisierungsdaten, prüfen Entwaldungsrisiken teilweise mit Satellitendaten und erstellen DDS, bei mehreren Anbietern mit direkter Schnittstelle zum EU-Informationssystem.

Für Importeure und Röstereien mit Direktimport ist das die richtige Kategorie. Zwei Punkte sollten Sie einplanen: Öffentliche Listenpreise nennt in dieser Kategorie kaum ein Anbieter, Preise gibt es auf Anfrage. Und als reiner Händler bezahlen Sie hier für Geodaten-Erfassung und Risikoanalyse, die nach aktuellem Stand nicht Ihre Aufgabe sind.

Kategorie 2: Referenznummern-Ledger für nachgelagerte Händler

Ein Referenz-Ledger macht bewusst weniger. Er sammelt Referenznummern ein, prüft die Zuordnung zur Lieferung, archiviert die Belege 5 Jahre und gibt die Nummern an Ihre Kunden weiter. Herkado ist ein solcher Ledger für Händler ohne eigene DDS-Pflicht: Die Preise liegen je nach Volumen zwischen 39 und 290 EUR pro Monat, die Einführung dauert Tage statt Monate, weil keine Geodaten migriert werden müssen.

Genauso wichtig ist, wann diese Kategorie nicht passt:

Kategorie 3: Excel und ERP-Bordmittel: wann das reicht

Bei einem festen Lieferantenstamm und wenigen Vorgängen pro Monat reicht in der Regel eine gepflegte Tabelle mit Spalten für Lieferant, Lieferung, Referenznummer, Verifikationsnummer und Ablagedatum. Die Grenzen zeigen sich beim Volumen: Niemand erinnert an fehlende Nummern, Tippfehler fallen erst bei der Behördenanfrage auf, und nach einem Personalwechsel ist unklar, welche Version gilt. Eine Vorlage und die ehrliche Grenzbetrachtung finden Sie unter EUDR mit Excel.

Der Vergleich im Überblick

Beispielrechnung: Rösterei mit 8 Mitarbeitern

Eine Rösterei mit 8 Mitarbeitern bezieht Rohkaffee über 20 Lieferanten mit Sitz in der EU und zählt 720 EUDR-relevante Vorgänge pro Jahr, also 60 pro Monat. Sie gibt keine eigene DDS ab, muss aber für jeden Vorgang die Referenznummer erheben, prüfen und ablegen. Bei 5 Minuten pro Vorgang in einer Tabelle sind das 60 Stunden im Jahr, meist verteilt auf Personen, die eigentlich rösten und verkaufen sollen. Ein Ledger übernimmt Erinnerung, Zuordnung und Archiv, übrig bleibt das Nachfassen bei Lieferanten, die nicht liefern. Die vollständige Rechnung steht im Artikel zur EUDR für Röstereien.

7 Auswahlkriterien für kleine Händler

Dieser Artikel gibt den Stand von Juli 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Prüfen Sie Ihre konkrete Rolle und Ihre Fristen im Zweifel mit Ihrer Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Brauche ich als nachgelagerter Händler Geodaten-Funktionen?

Nach aktuellem Stand nein. Geolokalisierung und Risikoanalyse gehören zur Sorgfaltspflicht des Erstinverkehrbringers, der die DDS abgibt. Als nachgelagerter Händler erheben Sie die Referenznummern dieser DDS, bewahren sie 5 Jahre auf und geben sie weiter, dafür brauchen Sie keine Satelliten- oder Geodaten-Funktionen.

Reicht Excel für die EUDR-Pflichten eines Händlers?

Bei wenigen Vorgängen pro Monat und einem festen Lieferantenstamm reicht eine gepflegte Tabelle in der Regel aus. Ab einigen Hundert Vorgängen pro Jahr fehlen Erinnerungen, Prüfschritte und ein sauberes Archiv, dann steigt das Risiko, bei einer Behördenanfrage Lücken zu haben.

Muss EUDR-Software an TRACES angebunden sein?

Nur wenn Sie selbst DDS einreichen, also Erstinverkehrbringer sind. Nachgelagerte Händler geben nach aktuellem Stand keine eigene DDS ab und brauchen deshalb keine eigene TRACES-Anbindung; sie arbeiten mit den Referenz- und Verifikationsnummern, die aus diesem System stammen.

Testen Sie Herkado kostenlos, wenn Sie als nachgelagerter Händler Referenznummern einsammeln, zuordnen und 5 Jahre archivieren müssen; wenn Sie eigene DDS abgeben, ist eine Geodaten-Suite die bessere Wahl.

Betroffenheits-Check starten

Herkado sammelt die DDS-Referenznummern Ihrer Lieferanten automatisch ein. Ab 39 EUR/Monat, für Lieferanten kostenlos.